Urwälder in Gefahr
Was hat ein Faultier mit Papier zu tun? Im Deutschunterricht der Klasse 2c begann im vergangenen Schuljahr hier eine spannende Unterrichtsspur. Faultier Ronaldo lebt hoch oben in seinem Baum und möchte ihn möglichst nicht verlassen. Doch immer dienstags muss er aufs Klo. Sein Geschäft möchte er unten am Boden verrichten – ausgerechnet dort, wo Waldarbeiter ein Camp eingerichtet haben. Für Ronaldo ist klar: Die Menschen führen nichts Gutes im Schilde.
Die Geschichte aus dem Deutschunterricht im letzten Schuljahr beschäftigte die Kinder der 2c weiter. Warum werden Bäume gefällt? Was hat das mit Papier zu tun? Und wie wird Papier überhaupt hergestellt? Aus diesen Fragen entwickelte sich nun im Sachunterricht aller 2. Klassen eine Unterrichtseinheit zur Geschichte von Papier und Schrift.
Die Geschichte des Papiers
Ein wichtiger Ausgangspunkt war für die 2c der Besuch im Bibelgarten Allendorf. Dort entdeckten die Kinder unter anderem Papyrus. Zunächst passte die Pflanze allerdings gar nicht zu ihren Vorstellungen von Papier: Wie sollte aus diesen langen, dünnen Blättern etwas entstehen, auf dem man schreiben kann? Die Kinder vermuteten ein deutlich dickeres Pflanzenblatt. Hier war erstes naturwissenschaftliches Arbeiten im Sachunterricht gefragt: eigene Vorstellungen wahrnehmen und kommunizieren, Fragen entwickeln und Präkonzepte durch Beobachtung und neue Erfahrungen verändern.
Im Klassenraum haben die Kinder daraufhin echtes Papyrus untersucht. Gegen das Licht erkannten sie die kreuzweise angeordneten Pflanzenschichten. Sie erfuhren, dass Papyrus in der Antike als Schreibmaterial genutzt wurde. Dünne Streifen aus dem Inneren der Papyruspflanze wurden nebeneinander und quer darüber angeordnet, gepresst und getrocknet. So entstand eine feste Schreibfläche.
Auch die eigene Papyrusstaude wurde zum Forschungsgegenstand. Die Kinder beobachten ihre Entwicklung und versuchen nun, sie zu vermehren. Beim Papyrus gelingt dies – wieder ein neues Konzept – unter anderem über die Blattschöpfe an den Stängelspitzen: Sie werden mit dem Schopf nach unten ins Wasser gesetzt und können dort Wurzeln und neue Triebe bilden.
Parallel dazu ging es um die Geschichte der Schrift. Von frühen Bildern und Zeichen über die ägyptischen Hieroglyphen führte der Weg zu verschiedenen Alphabetschriften. Für die Kinder ist das besonders anschaulich, weil sie selbst mitten im Schriftspracherwerb stehen. Sie konnten nachvollziehen, dass Menschen schon lange vor unseren heutigen Buchstaben Möglichkeiten entwickelten, Sprache dauerhaft festzuhalten.
Papierschöpf-Aktionstag in allen 2. Klassen
Den praktischen Höhepunkt bildete ein Projekttag mit Lena Billo für alle drei 2. Klassen. Im Werkraum stellten die Kinder aus Altpapier eigene Papierbögen her. Altes Papier wurde zerkleinert, mit Wasser zu einem Faserbrei verarbeitet und in eine Schüssel gegeben. Mit dem Schöpfrahmen tauchten die Kinder in die Masse ein und hoben ihn waagerecht wieder heraus. Auf dem Sieb blieb eine dünne Schicht Papierfasern zurück. Der feuchte Bogen wurde auf ein Filzstück abgegautscht und anschließend getrocknet.
Die Kinder konnten den Herstellungsprozess also direkt nachvollziehen und dabei erkennen, dass Materialien weiterverwendet werden können. Damit wurde auch die Frage nach dem Papierverbrauch und dem Zusammenhang zwischen Papier, Holz und Regenwald wieder aufgegriffen.
Ein besonderer Dank gilt Lena Billo für ihr großes Engagement und die Zeit, die sie sich für unsere Schülerinnen und Schüler genommen hat.
Text: G. Beyer, Fotos: C. Mühr



