Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Leben und Tod“ erhielt einer der Ethikkurse des dritten Jahrgangs besonderen Besuch: Der Allendörfer Bestatter Dirk Hochapfel nahm sich Zeit, um mit den Kindern offen über seinen Beruf und den Umgang mit dem Tod zu sprechen.
Im Vorfeld hatten die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Ethik-Lehrer Herrn Beyer zahlreiche Fragen vorbereitet: „Ist es gemütlich in einem Sarg?“, „Was passiert mit einem Leichnam?“, „Macht der Beruf Spaß?“, „Ist man als Bestatter überhaupt noch traurig?“ oder „Was ist ein Totenschein?“ Geduldig und anschaulich beantwortete Herr Hochapfel alle Fragen und gewährte dabei ehrliche Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Dabei machte er deutlich: Anders als ein Stundenplan halte sich der Tod nicht an feste Uhrzeiten – Einsätze könnten jederzeit anstehen.
Anhand von Bildern berichtete er unter anderem von einer kürzlich begleiteten buddhistischen Trauerfeier, die bewusst farbenfroh gestaltet war. Insgesamt, so erklärte er, würden Menschen zunehmend offener für individuelle, bunte und vielfältige Bestattungsformen.
Im Anschluss besuchte die Gruppe die Trauerhalle. Dort durften die Kinder einen echten Sarg aus nächster Nähe betrachten und sogar vorsichtig berühren. Sie überzeugten sich von der weichen Decke und dem Kissen im Inneren. Außerdem wurden verschiedene Urnen gezeigt – viele davon von Kinderhand bemalt.
Auf dem Friedhof stellte Herr Hochapfel unterschiedliche Grabformen vor: große Familiengräber, Einzelgräber, pflegeleichte Gräber, Urnengräber sowie Grabstätten für Kinder und sehr jung Verstorbene. Besonders eindrücklich war der sogenannte Ewigkeitsbrunnen für zahlreiche Urnen, der in Allendorf errichtet wurde. Auch alternative Bestattungsformen wie Wald- oder Seebestattungen fanden Erwähnung.
Der Unterrichtsgang war eingebettet in eine ausführliche Unterrichtseinheit im Ethikunterricht bei Herrn Beyer. Die Kinder setzten sich dabei mit grundlegenden Inhalten auseinander: dass der Tod zum Leben gehört, dass alles entsteht, wächst und vergeht, und dass es unterschiedliche Glaubensvorstellungen über ein „Danach“ gibt – von der Vorstellung, dass „nichts“ bleibt, über die Idee eines ewigen Lebens bis hin zu Wiedergeburtsgedanken. Neben spirituellen Perspektiven beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler auch sachlich mit natürlichen Prozessen wie der Verwesung. Sogar naturwissenschaftliche Phänomene – etwa warum gestrandete Wale nach ihrem Tod aufplatzen können – wurden thematisiert. Kreativ planten die Kinder außerdem ihre eigene „beste Beerdigung der Welt“.
Im Ethikunterricht findet keine Trauerarbeit statt. Dennoch bietet der geschützte Rahmen der Lerngruppe Raum für Fragen, Gedanken und Gespräche, die bewegen und berühren.
Wir danken Herrn Hochapfel herzlich für diesen eindrucksvollen und altersgerecht gestalteten Einblick. Einige Fragen sind beantwortet – andere neu entstanden. Vielleicht werden sie bei einem weiteren Besuch auf dem Friedhof aufgegriffen.
Text & Fotos: G. Beyer
